
Uns hat es in diesem Sommer nach Stockholm verschlagen, wo wir eine Woche bei Freunden im Häuschen am See verbringen durften. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen und so werde ich ein bisschen von unseren Eindrücken berichten.
Flughafen Arlanda
Der Flughafen ist recht überschaubar und kommt einem klein vor. Er wird von verschiedenen Airlines angeflogen, wir hatten uns für AirBerlin entschieden. Da der Flug von Air Niki bedient wurde, kamen wir in den Genuss von wirklich guten Sandwiches. Da können sich andere Airlines echt eine Scheibe abschneiden.
Vom Flughafen in die Stadt verkehren diverse Buslinien. Eine recht günstige sind die Flybussarna. Man kommt für umgerechnet knapp 10 EUR gemütlich zum Hauptbahnhof und Verkehrsknotenpunkt T-Centralen (und zurück).
Direkt im Untergeschoss des Hauptbahnhofs gibt es auch direkt eine Verkaufsstelle für Nahverkehrsfahrkarten. Man kann sich zwischen Tages-, Wochen- und Monatskarten oder der Stockholm-Card (Nahverkehr + einige Schiffe + Museumeintritt) entscheiden. Die Zeitkarten gelten auch stets für die Fähre zwischen Gamla Stan und Djurgarden. Da Einzeltickets schnell ins Geld gehen, lohnen sich Zeitkarten oft schnell.
Bezahlen & Preise
In Schweden kann man fast überall bargeldlos mit EC oder Kreditkarte bezahlen. Für uns war das Bezahlen mit EC-Karte (bis auf die Bar am Flughafen) immer problemlos möglich. Je nach Bank wird dabei 1,5% des Betrages als Gebühr berechnet, womit man leben kann. Am besten ist man im Besitz einer Karte, mit der man im Ausland kostenlos Geld abheben kann.
Die Preise in Stockholm sind akzeptabel. Museumseintritte kosten meistens zwischen 8 und 12 €, Softeis oder Hot Dogs ca. 2,50 – 3 €, ein Mittagessen unter der Woche zwischen 9 und 14 € (dabei ist immer Leitungswasser und Kaffee inbegriffen), ein Pfund Kaffee 4 bis 5 € und die Brotpreise sind auch ähnlich zu den deutschen. Man kommt also auch mit einem nicht ganz so großen Geldbeutel noch gut zurecht.
Mitte August haben zudem viele Händler überall Schlussverkauf (“REA”), so dass man viele Schnäppchen machen kann.
Einen Besuch wert
Auf der durch eine Brücke mit der Stadt verbundenen Insel Djurgarden sollte man bei jedem Stockholm-Besuch ein bisschen Zeit verbringen, da man so viele nette Stunden im Grünen dort verbringen kann:
Gamla Stan: Auf einer Insel gelegene Altstadt von Stockholm mit viel Touristennepp aber auch sehr gemütlichen Cafés und Restaurants, alten Gassen, dem Königlichen Schloss und einem Supermarkt (Jäntorget Platz), der auf der Suche nach einer Flasche Wasser sehr hilfreich sein kann.

Skansen: Ein wunderbares Freilichtmuseum von 1891, das typische Bauten und die schwedische Kultur zeigt und im Sommer (so auch im August) mit entsprechend gekleideten Statisten besetzt ist, die in den historischen Häusern Knäckebrot backen, Spinnen und weben, Schafe hüten oder im Garten sitzen und Tee trinken. Da in Schweden alle hervorragend Englisch sprechen, ist die Kommunikation bei konkreten Fragen zum Ausstellungsgegenstand einfach und die Leute sind sehr freundlich. Man findet neben den historischen Häusschen auch einen Tierpark mit nordischen Tieren (Elch, Rentier, Wolf, etc.), einen Streichelzoo für Kinder (ist bis 2012 gerade im Umbau), ein Aquarium (kostet extra), einen schönen Rosengarten und sehr viel Grünfläche.

Vasa-Museum: Ummanteltes Kriegsschiff aus dem frühen 17. Jahrhundert, das in einer großen Holzhalle ausgestellt ist. Es sank bereits zu seiner Jungfernfahrt im Stockholmer Hafen und wurde in den 1960ern geborgen und restauriert. Grandioser optischer Eindruck, vor allem, wenn man die Fluch der Karibik-Filme gesehen hat… (es fühlt sich an, als ob jeden Moment die Geister aus dem Schiff springen könnten). Man erfährt etwas über die Menschen in Skandinavien zu jener Zeit, Gegenstände vom Schiff werden ausgestellt, Rekonstruktionen (Dank forensischer Wissenschaft) der an Bord gefundenen Skelette als realistische Wachs-Büsten und eine Nachbildung des Oberdecks zum Erkunden.

Rosendals Schloss: Das Schloss an sich ist recht übersichtlich, hat aber eine sehr schöne, große Porphyr-Vase im Garten und viele Blumen. Im Sommer sollte man auf jeden Fall in das zugehörige Gewächshausgelände/Gartenanlage gehen, wo man feine Bio-Lebensmittel kaufen und einen guten Mittagstisch im Gewächshaus oder im Freien genießen kann (von 11:30 bis 14 Uhr).

Tivoli Gröna Lund: Ein Vergnügungspark im Süd-Westen der Insel, der ständig quietschende Laute von Menschen im freien Fall über die Insel schallen lässt. Wir haben ihn aber nur von Außen betrachtet.
Junibacken: Kinderland und Astrid Lindgren Erlebnismuseum (mit Geschichtenzug), vor dem die Kinderwagen parken wie die Luxuskarossen vor dem Edel-Italiener mit einem wunderbaren Museumsshop für Kinder.
Nordisches Museum: Darstellung der schwedischen Kulturgeschichte und Volksgruppen in einem, die Insel überragenden Gebäude mit vielen Türmchen. Das werden wir uns beim nächsten Besuch ansehen.
Skeppsholmen: Mit der Fähre von Djurgarden auf dem Weg zurück in die Stadt kann man einen Abstecher auf diese Insel machen, von deren Westseite man einen wunderbaren Blick auf das Königliche Schloss auf Gamla Stan hat. Auf der Ostseite ankern zahlreiche bewohnte Schiffe, die mit Infotafeln zum Lesen einladen und einen zentralen Briefkasten-Baum haben.
Essen
In Stockholm gibt es auffällig viele Sushi-Restaurants, von denen wir jedoch keins besucht haben. Dafür waren wir im viel gelobten Hermans, einem vegetarischen Restaurant, in dem man unter der Woche mittags für 100 SEK (ca. 10 EUR) so viel leckeres Büffet essen kann wie man will (nebst Kaffee, Leitunsgwasser und Tee) und das bei gutem Wetter eine grandiose Aussicht auf die Altstadt und Djurgarden bietet. Hinterher kann man den dicken Bauch in einer von drei Hängematten schaukeln oder einfach noch etwas sitzen bleiben.

Richtige Bäcker sucht man in Stockholm fast vergebens, nur im Stadtteil Södermalm haben wir ein paar gesehen. Meistens kaufen die Schweden wohl ihr Brot im Supermarkt. Wir hatten jedoch Glück und sind unterwegs über kleine Bäcker gestolpert (z.B. auch in Skansen), die sehr gute Zimt- und Kardamom-Teilchen (Kanelbullar und Kardemummabullar) – oder eher Hefeteig-Klopse – anbieten.

Sehr gut aussehende Krabben-Brötchen (eher Krabbentürme auf Toast mit Ei) für ca. 8 € gibt es im obersten Stock des Fotografiska-Museums, die wir ob der ca. 30 Leute langen Schlange leider nicht probiert haben. Das Museum lohnt sich aber auch der Fotos wegen!
Das beste Knäckebrot haben wir in Skansen in der Bagarstugan gegessen. Dort wird es von einer historisch gekleideten Frau geknetet, gewalzt und ca. 1 min im Holzofen gebacken. Danach gibt es Stücke zum Probieren, die man sich je nach Gusto mit den typischen schwedischen Holzmessern noch mit Butter beschmieren kann. Die Bäckerin meinte, dass nicht nur Getreide, sondern auch noch Gewürze wie gemahlener Fenchel und Anis im Brotteig wären, das hat glaube ich den Unterschied gemacht.
Das typische Straßenessen sind Hot Dogs, die es fast überall und in diversen Variationen gibt. Sie sind zwar ganz ok, aber nichts, was man unbedingt probiert haben muss.
Kostenloses WLAN
Auf Gamla Stan hat man auf der Straße Västerlånggatan ca. auf Haushöhe Nr. 60 ein freies WLAN. Im Stadtteil Södermalm gibt es eins vor dem Klamottenladen Monki in der Götgatan 19. Es gibt sicherlich noch mehrere, aber diese beiden hatten wir aufgespürt.
Was einem auffällt…
Die Schweden scheinen gerne Nummern zu ziehen, um eine gerechte Reihenfolge zu garantieren. Dies begegnet einem z.B. beim Fahrkartenkauf im T-Centralen Bahnhof oder auch im staatlichen Alkoholladen in den Hötorget-Hallen.
Kirchen sind innen deutlich wärmer als außen (ausgehend von 21° C Außentemperatur) und meist recht stickig. Die Ursache haben wir leider nicht herausgefunden, es waren alles normale, steinerne und recht große Kirchengebäude, aus denen wir jedoch recht zügig nach Luft schnappend geflüchtet sind.
Man bedankt sich sehr oft – “Tack” sagen haben wir also schnell gelernt und es auch immer höflich angewendet, sobald ich eine Gelegenheit ergab. Man will ja nicht unhöflich wirken. Hallo-Sagen (hej, hej) geht auch sehr einfach von den Lippen und sollte in jedem kleinen Geschäft angewendet werden.
Schwedisch als Sprache ist im gesprochenen Zustand für uns sehr fremd, das Geschriebene versteht man jedoch relativ gut. Wenn man ein paar Aussprache-Tricks kennt, sollte aber auch das Verstehen beim Zuhören einfacher gehen.
Insgesamt kann man sagen, dass Stockholm immer wieder eine Reise wert ist und man viel entdecken kann. Nächstes Mal sind dann die Schäreninseln dran…